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Der Schüler und Student Raoul H. Francé ist am 21. Mai 1874 in Wien geboren. Dort und ab seinem neunten Lebensjahr in Budapest erlebte er eine glückliche Jugend. Künstlerisch veranlagt, zeichnete und malte er schon bald, hat später seine Bücher selbst illustriert und beachtliche Gemälde geschaffen. Auf Drängen des Vaters soll er Bankbeamter werden, entscheidet sich jedoch nach vielen familiären Auseinandersetzungen für das Studium der Naturwissenschaften. Mit 17 Jahren ist er jüngstes Mitglied der Königl. Ungar. Naturwissenschaftlichen Gesellschaft. Nach acht Semestern Medizin wird er der Lieblingsschüler des berühmten Protozoenforschers Geza Entz, der ihm eine Assistentenstelle beim Botaniker Julius Klein verschafft, dessen Lehrstuhl Francé mit 21 Jahren fast ein ganzes Jahr während Kleins Gastprofessur in Neapel verwaltet (1895). Das Zusammenwirken von Medizin, Zoologie, Botanik prägt von da an seine Art zu denken und sein Bestreben, stets Überblick über die Zusammenhänge zu gewinnen. Ab 1892 erhält er von verschiedenen ungarischen wissenschaftlichen Gesellschaften Forschungsaufträge auf Untersuchung der Protisten des Plattensees, der Craspedomonaden (farblose Kragengeißelalgen), der Torfmoore, der Infusorien der Adria. Zehn Jahre später wird er sein Craspedomonadenwerk kommentieren: "Ich habe mich mit ihnen zwei Jahre lang beschäftigt und in einem mir heute unbegreiflich dickleibigen Buche einst ihr "Freßwerkzeug" genau beschrieben. Es besteht aus einer Düte, die so zart ist, daß, wenn man das ganze Zellchen als fast nichts bezeichnen darf, dieser Kragen ganz wesenlos erscheint. Bei 1000facher Vergrößerung, wobei alles schon so verschwommen und dunkel wird, daß man ganz verzweiflungsvoll tappt und Irrtümern ausgesetzt ist, wie in einem nächtlichen Wald, sieht man noch immer nicht viel mehr von diesem Kragen, als die zwei Linien, die seine Grenzen bezeichnen." (Francé, 1907 a). Leider holt sich Francé gleich zu Beginn der Feldarbeit in den ungarischen Sümpfen die Malaria, von der er sein Leben lang nicht mehr loskommt. In diesen Schüler- und Studienjahren erweitern 14 Forschungsreisen sein Blickfeld, und in 19 Artikeln beschreibt er die Ergebnisse. Seine Monografie über die Craspedomonaden erscheint 1897, wird in einem öffentlichen Preisausschreiben des Ausschusses der Königl. Ungar. Naturwissenschaftlichen Gesellschaft als beste Arbeit preisgekrönt und gilt noch heute als klassische, grundlegende Studie der Protistenkunde. Ihr internationaler Erfolg ist so groß, daß Prof. Chodat, Genf, 1898 eine neue Gattung von Chlorococcales Francéia benennt. Nebenbei ist Francé von 1893-98, also mit 20 Jahren stellvertretender Redakteur der Zeitschrift der Königl. Ungar. Naturwiss. Gesellschaft. Sein anschließender Promotionsversuch schlägt fehl, weil die beamtete Professorenschaft glaubt, dem jungen Senkrechtstarter die Lehre erteilen zu müssen, daß alles im Leben seine Zeit braucht. Raoul überwindet die Enttäuschung bald. Er ist 22 Jahre alt. |
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