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Renaissance Die jahrelangen systematischen Humus- und Edaphon-Versuche der beiden Francés werden von vielen Landwirten besonders in Österreich und Ungarn fortgeführt. Ein Gutachten der Hochschule für Bodenkultur in Wien bestätigt, daß Erntesteigerungen um 30 bis 60 % dauerhaft erzielt werden. Francé (1929) ist glücklich: "wenn es gelingt, der europäischen Ernte neuerdings einen Impuls zu geben wie jener war, zu dem sie Liebig mit der Einführung des Kunstdüngers emporriß ... Jahrhunderte neuen Wohlstandes und Aufschwunges ...". Es sollte anders kommen. Zwar erhält Francé 1937 das Reichspatent Nr. 154652 auf einen mit Edaphon geimpften Naturdünger und dessen Herstellung, der in vieljährigen Anbauversuchen ausgiebig und erfolgreich erprobt war. Zwar stellt 1939 Ewald Könemann, einer der früheren Begründer des biologischen Landbaus, in seinem 400-Seiten-Werk Biologische Bodenkultur und Düngewirtschaft die natürliche Bodenschichtung und die daraus abgeleitete naturgemäße Bodenpflege nach Francés Lehre vom Edaphon in Wort und Bild dar. Neben der von Francé empfohlenen Gründüngung gehört die Verwertung aller wirtschaftseigenen Abfälle zu den Grundlagen seiner Methode. Zwar bezieht sich auch der seinerzeit bekannte Praktiker K. Stellwag auf Francé. Zwar wurzelt die biologisch-dynamische Wirtschafsweise, damals schon die bekannteste Richtung naturgemäßen Landbaus, weitgehend in diesen Verfahren. Doch durch den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen wird der Zugang zu den auf viele einzelne Pioniere verteilten Kenntnissen und Erfahrungen sowie ihr wissenschaftlicher Hintergrund jäh verschüttet. Das erleichtert es interessierten Kreisen, den biologischen Landbau als unwissenschaftlich hinzustellen. Mit dem Wirtschaftswunder und dem billigen Öl dringt die Chemie schnell vor und überfremdet auch Landwirtschaft und Gartenbau. In den sechziger Jahren besinnt man sich. Nach Rachel Carsons Der Stumme Frühling (dt. 1963) schlägt das Pendel zurück. Die von Francé behandelten Probleme werden nun von vielen, zum Teil namhaften Mikrobiologen und Agronomen aufgenommen. An Hochschulen gibt es immer mehr Vorlesungen über Ökologie und biologische Landbauverfahren, Studenten schreiben ihre Abschlußarbeiten über Themen auf diesen Gebieten, in mehreren Ländern gründen private Vereinigungen einschlägige Forschungsinstitute. Langsam erinnert man sich an Francé, dessen Bücher noch immer der Schlüssel zum grundlegenden, tieferen Verständnis dessen sind, was im Boden lebt, modert, nagt, verdaut, auflöst, zusammenfügt. Heute ist die Literatur über Bodenbiologie in aller Welt umfangreich und vielfältig. Auch der wieder aufgegriffene Forschungszweig von Francés Biotechnik, jetzt aus Amerika zurückkommend Bionics genannt, bringt ihn wieder ins Gedächtnis. Francé fordert schon 1918 eine neue Wissenschaft, die sich nicht darauf beschränkt, die technischen Leistungen des Menschen in den Organismen wiederzufinden, sondern in den organischen Anwendungen der Naturgesetze Vorbilder für die Technik sieht. Heute ist diese Wissenschaftsrichtung, die in den Sechzigern zunächst in Amerika ausgebaut wurde, wohl etabliert. Auch in Deutschland gibt es seit einigen Jahren entsprechende Studienrichtungen. Im Oktober 1993 fand in Salzburg zum 50. Todestag von Francé ein Symposium statt, ausgerichtet von der Universitätsbibliothek Salzburg, dem Oberösterreichischen Landesmuseum und der Johann-Kepler-Universität in Linz. Zur gleichen Zeit würdigte man ihn in einer Gedenkveranstaltung in Dinkelsbühl, eingebunden in das Seminar Das Bodenleben - Garant der Bodenfruchtbarkeit. Alle zwei Jahre wird seit 1988 die Francé-Verdienstmedaille in Gold öffentlich ausgelobt und an Personen oder Gruppen verliehen, die sich in seinem Sinne besondere Verdienste erworben haben. Verleiher sind die Stadt Dinkelsbühl und die Gesellschaft für Boden, Technik, Qualität des Bundesverbandes für Ökologie in Land- und Gartenbau e. V. Der Arbeitskreis Landbautradition dieser Gesellschaft widmet dem Forscherehepaar Francé besondere Aufmerksamkeit und legt ein Archiv an. Die Francé-Gedenkstätte im Museum des historischen Vereins Alt-Dinkelsbühl zeigt Dokumente, Bücher und Bilder der beiden Francés. 1979 wurden Das Edaphon und Das Leben im Ackerboden nach über 60 Jahren neu verlegt; 1995 erfolgte ein Nachdruck. Man erkennt heute Francés Verdienst wieder an, daß er die Grundgesetze der Natur und Technik in ein universales philosophisches System eingegliedert hat, das auch menschliche Kultur und Zivilisation umfaßt. Menschen, die nach Antwort auf drängende Fragen unserer Zeit suchen, können sie deshalb bei ihm finden. Sein leidenschaftliches Ringen, das Volk, die Menschen, ja die Menschheit zu lehren, zu erziehen, ihnen ein Leitbild zu geben, ist nicht Eitelkeit oder Größenwahn. Es ist der Aufschrei einer gequälten Seele, die mit schrecklicher, visionärer Klarheit sieht, wohin die Menschen treiben, die nicht nur ihr eigenes Glück und Leben verspielen und verschachern, sondern auch das ihrer Mitgeschöpfe. Wir, die Freunde der Zeitschrift, die vor 90 Jahren dem Kopf und der Feder von Raoul Heinrich Francé entsprungen ist, und vielfach Mitglieder von Mikrobiologischen Vereinigungen, die seine Schöpfung sind, wollen hören, was er uns zuruft: |
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