Francés Lebenswerk - Versuch einer Würdigung

von: Dipl.Ing.agr. Hartmut Heilmann
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Francés Vermächtnis wird durch seine eigene Sprache nicht "einfach so" deutlich. Denn Francé würdigt das eigene Werk von Tonfall und Stil in einer Weise, die manchem als Selbstbeweihräucherung vorkommen könnte. Und die meisten Leser kennen nicht einmal Einzelheiten seines Werkes, beispielsweise die "Weltgesetze". Wer könnte heute schon das Seinsgesetz, das Stufengesetz, das Funktionsgesetz, das Gesetz des Optimums oder das Selektionsgesetz in eigenen Worten annähernd formulieren? Von diesem Problem kann sich auch der Kommentator nicht ganz ausnehmen, pflegt Francé doch eine heute als pathetisch empfundene Sprache, die nicht einfach in den heute gepflegten Stil zu übertragen ist. Die Anknüpfung an heutige Denkstrukturen muß jeder für sich leisten. Denn seine Art, treffend darzustellen, wird man dieser Tage nicht so schnell wiederfinden. Ihm gegenüber schreiben die meisten von uns heute vom Niveau alle eher wie die "Eintagsfliegen". Seine Kapazität, seine Souveränität, seine Übersicht kann einen wirklich neidisch machen.

Natürlich geht Vieles im modernen Ökologischen Landbau auf Francé zurück, worauf man umfänglich eingehen könnte. So spricht man heute beispielsweise von einem Betriebsorganismus. Das ist eine Prozeßeinheit. Diese Sicht hat Francé schon gefordert. In der praktischen ökologischen Landwirtschaft werden heute beispielsweise biologisch-dynamische Präparate angewandt, in der Tierheilkunde Phytotherapie und Homöopathie. Diese sind kulturelle Organformen, die über die Organbildung der Schöpfungsnatur hinausgehen. Sie werden für die (später nicht nur innere) Natur und ihre Entwicklung als notwendig angesehen. Das geht über Francé hinaus.

In der Qualitätsdiskussion sieht man heute in bildschaffenden Methoden die organische Ordnung im Lebensmittel und in Lebensprozessen. Man findet die thermodynamische Ordnung mithilfe elektrochemischer Meßmethoden in der Lebensmittelqualität. Insofern gibt es also Vorstellungen über eine "innere Natur" und ihre Ordnung, die zu pflegen ist, die über Francé hinausgehen. Für eine Erweiterung des Verständnisses, eine notwendigerweise abstrakte Kriterienbildung im Organi-schen hat Francé uns also noch Arbeit übriggelassen. Auch dafür kann man ihm dankbar sein.

Etwas Besonderes fällt einem - sozusagen zwischen den Zeilen - an Francés Aufsatz auf: Er stellte sein Leben ganz in die Erforschung und Beschreibung der Natur. Als Freigeist und als Freiberufler. Er vermochte seine Zeit bis in die Gründung und Entwicklung der Zeitschrift "Kosmos" und der "Naturfreunde" auf eine Weise zu prägen, wie es sicher keine Einzelpersönlichkeit vermocht hätte. Das kann für die eigene Lebensaufgabe - gleich wie sie sich für jeden von uns individuell stellt - Vorbild und Aufforderung sein, dem freien Geist und der Natur zu dienen. - Gibt es eine schönere Aufgabe als einen Weg mit der Natur?

Hierfür notwendige Elemente vermittelt die BTQ und unterstützt ihre Mitglieder auf ihrem Wege.